CHOOSE your LANGUAGE

Dienstag, 12. April 2016

die Kugel für den Käfer Nr. 10


Rosenkäferportrait, 2:1 und Ausschnitt – Foto © Maximilian Weinzierl
  


nachdem nun Rosenkäfer Nummer 10 aus dem Blumentopf gekrochen ist, habe ich mal versucht ein lichttechnisch perfektes Portrait
anzufertigen. Das ist nicht einfach. So sehr ich es bewundere, wie die Natur diesen metallischen Spiegelglanz zustande bringt, so sehr fordert es mich als Fotograf heraus mit den Spiegelungen und Reflexen fertig zu werden. 


das Licht-Set für das Rosenkäferportrait – Foto © Maximilian Weinzierl


Da sich die Lichtquelle in der weitwinkelig abbildenden blanken Kugelfläche immer im Rücken spiegelt, ergeben sich meist überbelichtete weiße Stellen ohne jegliche Zeichnung (ausgefressene Lichter). Ich habe den Käfer zur Portraitsitzung erst einmal auf eine Apfelscheibe gesetzt, in der Annahme, er möchte vielleicht Saft saugen, was er aber nicht tut, zumindest ist es für mich nicht wahrnehmbar. Aber er bleibt immerhin sitzen. Nach jeder Berührung stellt er sich erst mal tot, etwa 10 Minuten lang. Dann erwacht er wieder zum Leben und schaut sich lange um und richtet sich auf, bevor er sich erst nach weiteren Minuten entschließt wegzukrabbeln. Diese wache Zeitspanne ist ideal für interessante Portraits. Mit dem Lichtcharakter habe ich viel rumprobiert und bin dann beim Kugelblitz gelandet. Im Vergleich zum Motiv eine riesige weiche Lichtquelle. Das Hauptlicht von rechts und ein Führungslicht (Konusleuchte) von links seitlich.    


das Licht-Set für das Rosenkäferportrait – Foto © Maximilian Weinzierl


Das AF-S MikroNikkor 2.8/105 ist mit dem Telekonverter 20 E III bestückt, an der Nikon D810, also 210 mm Brennweite bzw. 2:1 Abbildungsmaßstab. Entfernungseinstellung auf Nahanschlag, Scharfstellen über die Verschiebung des Systems per Novoflex Castel-Q-Einstellschlitten. Die Schärfentiefe ist trotz kleiner Blende (57, Beugungseffekte nehme ich inkauf) äußerst gering. Worauf soll man aber scharfstellen? Ich habe mich letztlich für die "Wimpern" über dem Auge entschieden. Das Scharfstellen ist aber ein ständiges Umherschwimmen. Zur Schärfekontrolle verwende ich den Live-View der Kamera und das Monitorbild ist zum Scharfstellen vergrößert (4x, Monitorlupe). Ich habe beide Hände am Kamerasystem, mit der einen Hand drehe ich an der  Rändelschraube des Schlittens um die Schärfe kontinuierlich zu justieren, mit der anderen "drücke" ich das Kamerasystem minimal zurecht, um den Ausschnitt optimal beizubehalten. Das Auslösen der Aufnahme geschieht mit dem Mund (Beissauslöser). Nach diesen nahen Einblicken in die Physiognomie finde ich, dass Rosenkäfer eine ausgeprägte Persönlichkeit besitzen. Die Natur ist wunderbar! (siehe Kurzvideo, hier auf YouTube, oder unten ins Bild klicken).